Aus zwei zusammen wird einer allein

Aus zwei zusammen wird einer alleine

 

Wenn das Glück oder das Schicksal dieser Welt es so will, dann finden sich zwei Menschen. Die Partner fürs Leben, die beiden, die zusammen alt werden möchten – so zumindest der Plan.

Die beiden, die womöglich Jahrzehnte lang verheiratet sind. Bei denen aus Verliebtheit mit Schmetterlingen im Bauch irgendwann eine Partnerschaft, ein Team, etwas Grundsätzliches, Unerschütterliches wird. Die auf sich achten, die Welt zusammen entdecken und das Leben gemeinsam genießen. Vertrauen, Respekt, Achtsamkeit miteinander und eine tiefe Verbundenheit. Ja, Liebe auf unterschiedliche Art und Weise und ebenso tief.

Etwas, das niemand mehr zu trennen vermag. Ja NIEMAND und dann doch ETWAS. Ein Unfall, eine Krankheit und alles ist vorbei. Schlagartig, ohne Vorwarnung, ohne verstecktes Hintertürchen. Ohne, dass man sich mit Händen und Füßen dagegen wehren kann, ohne dass der laute Schrei in der dunklen Nacht irgendetwas daran ändern würde.

Der Traum des gemeinsamen Altwerdens einfach gestohlen, von etwas, das an Macht nicht zu überbieten ist. Das einen alleine lässt mit dem Schmerz und dem leeren Kopfkissen neben sich. Niemand fängt einen auf, nicht vergleichbar dieses Gefühl das Herz auskotzen zu müssen, wenn es nicht schon herausgerissen worden wäre. Nicht mehr weiter machen zu können, bewegungslos, verloren gegangen irgendwo auf dem Weg. Wo ist der erste Gang, der einen anfahren lässt?

Was nun? Was fängt man mit diesem halb gelebten Leben jetzt an? Alle Pläne wurden doch schon geschmiedet, alle Ziele gesteckt. Gemeinsam – doch der zweite Teil von gemeinsam ist jetzt nicht mehr da. Man fühlt sich allein gelassen. Betrogen. Betrogen um das Glück dieser Welt, seine Zukunft, sein Leben.

Bei Menschen, die aufgrund ihres Alters sterben, folgen die Partner manchmal wenige Monate später. Doch das scheint keine Option, wenn man sein Leben eigentlich noch vor sich hat. Wenn man eigentlich in der Mitte seines Lebens steht. Und man plötzlich damit zurecht kommen muss, dass der Partner, der Plan vom Leben sich gerade in Luft aufgelöst hat. Nichts mehr davon da ist. Einfach weg ist. Dann gibt es keinen klugen Rat, keine Medikamente und nichts was diesen fehlenden Teil in einem Selbst ersetzen könnte.

Aber es gibt die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit für die Momente, die man gemeinsam erlebt hat, für die Jahre, die man gemeinsam gelebt hat, für die Liebe, die man gemeinsam gefühlt hat. Dankbarkeit dafür, dass man einer der Menschen sein durfte, der so etwas erfahren durfte, der das Glück hatte diesen Partner so lange Zeit an seiner Seite zu wissen. Dankbarkeit dafür, lieben zu dürfen. Bedingungslos, ohne Wenn und Aber, mit dem gleichen Ziel, mit dem gleichen Wissen, mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der gleichen Achtsamkeit, dem gemeinsamen Vertrauen, dass alles gut wird. Und das wird es auch. Vielleicht nicht heute, vielleicht auch noch nicht morgen, aber ganz sicher irgendwann…

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